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Wilhelm II: Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers von Christopher Clark
Preis bei Amazon: EUR 24,95, Angebote ab EUR 19,40 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3421043582, Erscheinungsdatum: Oktober 2008
5 Kundenrezensionen:Nicht für die breite Öffentlichkeit 1 von 5 PunktenWissenschaftlich Interessierte können diesem Buch sicherlich etwas abverlangen. Von den gut 400 Seiten sind etwa 50 Seiten Quellenhinweise. Der Sprachstil bewegt sich auf einem hohen Niveau, viele Schachtelsätze, die wahrscheinlich nur von Germanisten positiv aufgenommen werden. Vielleicht ist die deutsche Übersetzung auch schlecht gelungen. Wer erwartet, dass der letzte deutsche Kaiser psychologisch "zerlegt" wird(Mentalität, Charakter, Leidenschaften, Scwächen, Stärken usw.), legt das Buch spätestens nach 50 Seiten enttäuscht zur Seite. Man muss sich ernstlich fragen, an welche Zielgruppe dieses Werk gerichtet ist. Der geeignete Standort dieses Werkes ist die Universitätsbibliothek. Kein Buch für Urlaub oder Freizeit! So kann man man einem intressierten "Normalverbraucher" die Gestalt des Wilhelm nicht näherbringen! Eine politische Biografie des letzten deutschen Kaisers 4 von 5 PunktenMit "Preußen: Aufstieg und Niedergang 1600-1947" hat Christopher Clark ein Standardwerk vorgelegt, in dem er es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Dämonisierung und Verklärung Preußens entgegenzuwirken. Und es hat funktioniert, Clark stellte Preußen anders dar, als die meisten Historiker vor ihm, für ihn waren die vermeintlichen Widersprüche, die Janusköpfigkeit des Hohenzollernstaates, Ausdruck der Ambitionen seiner Herrscher und erst die Begründung des Deutsche Kaiserreichs wurde zum Verhängnis Preußens. Der Erfolg von Clarks "Preußen" hat es möglich gemacht, dass nun auch seine 2000 erstmals veröffentlichte Biografie Kaiser Wilhelm II. in deutscher Sprache aufgelegt wurde. Kaiser Wilhelm II. wurde nach dem Ersten Weltkrieg lange Zeit dämonisiert, als Vorboten Hitlers, antisemitischen Militaristen und sogar psychisch kranken Kriegstreiber wurde er dargestellt. Christopher Clark unternimmt nicht den Versuch den letzten deutschen Kaiser zu rehabilitieren, sondern Verunglimpfungen und Verständnis für sein Handeln ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei ist das Buch keine auf die Persönlichkeit, sondern das politische Agieren des Kaisers konzentrierte Biografie. Die Schilderung von Kindheits- und Jugenderlebnissen bleibt also aus, genauso wie das Erwachsenenleben Wilhelms vor allem aus einer Perspektive dargestellt wird, in der seine Politik und offiziellen Handlungen die wichtigste Rolle spielen. Die dominierende Frage ist, wie Wilhelm II. zu dem Kaiser werden konnte, der er war. Dafür verantwortlich war von anfang an, seine Stellung im Kaiserhaus, als ältester Sohn des Kronprinzen. Während sein Vater Kronprinz Friedrich Wilhelm es sich mit Kaiser Wilhelm I. durch seine liberale und englandfreundliche Haltung, in der er vor allem von Kronprinzessin Victoria, der Tochter Queen Victorias, bestärkt wurde, verscherzt hatte, beschritt Prinz Wilhelm andere Wege. Als Haushaltsvorstand konnte der Kaiser sich in die Erziehung des künftigen Kronprinzen einmischen und die missliebigen Eltern so umgehen. Prinz Wilhelm nutzte diesen Effekt seinerseits, um repräsentative Aufgaben wahrzunehmen, die eigentlich seinem Vater zugestanden wären. Als 1887 der Kaiser seinen 90. Geburtstag feierte und beim Kronprinzen ein Kehlkopfgeschwür diagnostiziert wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Wilhelm den Thron besteigen sollte und schon ein Jahr darauf, war es soweit. "I bide my time" - "Meine Stunde wird kommen", war Wilhelms Leitspruch und Ausdruck der Ambitionen die er verfolgte. Von seinen Eltern als manipulierbar und Spielball der Hofsparteien unterschätzt, nutzte Wilhelm die verschiedenen Personen sehr geschickt für sich aus. Als Kaiser wurde er so nicht zum Anhänger einer bestimmten Partei, sondern konnte unabhängig von diesen einen Kurs verfolgen. Seine politische Wendigkeit und sein Machtstreben brachten ihn jedoch schon bald in Konflikt mit seinem Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck, dessen Rücktritt als erster großer politischer Erfolg des Kaisers gewertet werden kann. Nach Clark war Wilhelm II. trotz seines Ehrgeizes weniger an Expansionen interessiert, als seine Position als Kaiser zu festigen und das Reich zu konsolidieren. Wie viele seiner Vorfahren war es auch Wilhelms dringlichstes Ziel, Preußen oder nunmehr das deutsche Reich zur Großmacht zu machen und seine Position zwischen den europäischen Mächten zu stärken. Ein Ausdruck dieser Politik war auch Wilhelms Ernennung Admiral Alfred von Tirpitz zum Marinestaatssekretär, mit dem er seine ambitionierte Flottenpolitik zu verfolgen begann, um mit dem britischen Empire gleichzuziehen und sich als Großmacht auch weltweit Geltung zu verschaffen. "Der Glaube an sein Talent, für die deutsche Öffentlichkeit und zu ihr zu sprechen, war ein zentraler Bestandteil der Vorstellung Wilhelms von einer erfolgreichen Monarchie, und indem er die nationalen Zeitungen geradezu verschlang, trachtete er danach, ein Gefühl der Verbundenheit mit den großen Themen zu wahren, die damals die Nation bewegten." (S. 210 f.) Das ging soweit, dass Wilhelm sogar ausgeschnittene Artikel mit Notizen versah und an seine Minister weiterleitete. Aus den Medien holte sich der Kaiser wichtige Ideen für seine Politik und setzte auch bei persönlichen Auftritten, sehr auf öffentlichkeitswirksame Inszenierungen. Anders als Wilhelm I. wollte Wilhelm II. sein Amt als Kaiser in vollem Umfang ausfüllen und nutzen, um seine Ziele zu verwirklichen und in die Geschichte einzugehen. Im Gegensatz zum später verfassten "Preußen" stellt Clark das deutsche Kaiserreich in "Wilhelm II." noch als preußisches Projekt dar, in welchem preußische Beamte und Politiker versuchten die Reichspolitik den Interessen Preußens möglichst unterzuordnen. Clarks Biografie des letzten deutschen Kaisers ist trotz des zeitlichen Unterschieds zwischen den beiden Werken eine ideale Ergänzung zum Standardwerk "Preußen" und schildert sehr ausgewogen Wilhelms politischen Werdegang, sowie seine innen- und außenpolitischen Initiativen. Fazit: Eine sehr ausgewogene Darstellung der "Karriere" des letzten deutschen Kaisers und seiner Ambitionen, gewissermaßen die ideale Ergänzung zu Christopher Clarks "Preußen", "Wilhelm II. - Aufstieg und Fall 1859-1941" Ausgewogene Darstellung 5 von 5 PunktenChristopher Clark untersucht das Leben und Wirken des letzten deutschen Kaisers, der traditionell ein sehr negatives "Image" hat. Im ersten Kapitel geht es um Wilhelms Kindheit und Jugend und in diesem Zusammenhang um die seltsame Situation, dass zwei Generationen um Wilhelms Erziehung und Gunst stritten: der streng den traditionellen Idealen verpflichtete Großvater Wilhelm I. und der progressive Vater, Friedrich Wilhelm. Dieser Konflikt, so zeigt der Autor auf, entschied sich zugunsten des Großvaters. Das Kapitel "Übernahme der Macht" befasst sich mit Wilhelms Versuch, sich innerhalb der Regierung beziehungsweise des "Systems" zu positionieren, nachdem er die Kaiserwürde von seinem früh verstorbenen Vater übernommen hatte. Die innen- wie außenpolitischen Weichenstellungen in den 1890er-Jahren, Wilhelms Freunde und seine Beziehungen zu den aufeinander folgenden Kanzlern, aber auch seine unglücklichen Versuche zur Gestaltung der Beziehungen Deutschlands zum Ausland, die damit verbundene Flottenpolitik und wiederum die Bemühungen der Regierung, den Kaiser zu lenken, sind Themen weiterer Kapitel. Ein ausführliches Kapitel befasst sich mit der unmittelbaren Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges und Wilhelms Rolle hierbei. "Krieg, Exil, Tod" sind in einem einzigen Abschnitt zusammengefasst. Christopher Clark möchte dem Leser, Fachpublikum wie interessierten Laien, den Zugang zu diesem Monarchen verschaffen, der sich anhand der üblichen Quellen nicht leicht erschließt. Wilhelms Fehler bleiben in diesem Buch nicht etwa unbeachtet, doch sie werden genau analysiert, und ihre Ursachen und Hintergründe bleiben dem Leser, wo möglich, nicht verborgen. Der Autor untersucht Wilhelms Biografie und seine Rolle in der Geschichte rund um den Ersten Weltkrieg ohne ideologische Brille, er sucht nach größeren Zusammenhängen und kann dem Leser die zwiespältige Persönlichkeit des letzten deutschen Kaisers nahe bringen. Dessen bislang wenig geachtete Versuche, den Frieden zu wahren, seine erfolglosen Bemühungen, den Einfluss der gefährlichen "siamesischen Zwillinge" Hindenburg und Ludendorff einzuschränken, und sein kurzer "Flirt" mit Hitler kommen nebst vielen anderen Themen in diesem Buch überraschend zur Geltung. Der Kaiser präsentiert sich etwas kurzsichtig, von Scheuklappen bedrängt und von einer unzeitgemäßen Vision beseelt, aber nicht als der anachronistische Schwachkopf, als der er gern karikiert wurde. Ein packendes und zugleich hochinteressantes Buch, das sich um Objektivität bemüht und einen differenzierten Blick auf den letzten deutschen Kaiser ermöglicht! Die Herrschaft des letzten deutschen Kaisers 5 von 5 PunktenEin ganz außergewöhnliches Buch ist mit WILHELM II. auf den deutschen Buchmarkt gekommen, denn der letzte deutsche Kaiser war seit seiner Abdankung bis zu seinem Tod und darüber hinaus das Ziel von Verrissen und Anfeindungen. Der Autor Christopher Clark räumt mit den gängigen Vorurteilen auf und versteht es meisterhaft ein sachliches und fundiertes Bild dieser Persönlichkeit zu zeichnen. Wieder einmal ein Buch das ich mir persönlich für so manchen Geschichtsunterricht gewünscht hätte, zeigt es eine der umstrittensten Personen der deutschen Geschichte so wir er wirklich war - gefangen im Spannungsfeld zwischen Herrschen und Dienen müssen und dem Aufbruch in eine wackelige doch erstarkende Demokratie und Mitbestimmung im politischen Bereich. Man könnte sogar sagen, er war zur falschen Zeit am falschen Ort und nicht immer so schuldig wie man es in der NS Zeit und auf linker Seite gerne gehabt hätte - dies ist in der Tat eine interessante Information, dass der Kaiser sowohl von Rechtsextrem wie auch von Linksextrem gleichermaßen angegriffen wurde und das Geschichtsbild über Jahrzehnte verzehrt dargestellt wurde. Dieses Buch ist natürlich keine Rehabilitationsschrift für Wilhelm II. es ist vielmehr eine Korrektur in so manchen Details, um ein korrektes und klares Geschichtsbild zu generieren. Dem Autor ist mit seiner Darstellung der Kindheit und Jugend des letzten deutschen Kaisers ein interessantes Bild gelungen. Auch im Spannungsfeld zwischen Hof und Politik sowie im Bereich des Militärs machte er nicht immer die Figur eines absoluten Herrschers - das System gab ihm Macht aber beschnitt ihn auch zusehends. Insgesamt gesehen zeichnet das Buch WILHELM II von Christopher Clark ein gutes und faszinierendes Bild einer Persönlichkeit die einiges falsch gemacht hat und doch auch viel manipuliert und gesteuert wurde. Insbesondere die Geschichtsfälschenden Maßnahmen von außen sind es wert gelesen zu werden, denn eine leichte Geschichtskorrektur steht uns gut an. Dieses Buch dient der Wahrheitsfindung und die ist immer noch nicht abgeschlossen! Sehr empfehlenswert! Der letzte Deutsche Kaiser 5 von 5 PunktenDas neue Buch von Christopher Clark befasst sich mit dem Leben und Wirken des letzten Deutschen Kaisers. Es beginnt mit der schwierigen Kindheit, in der die zwei politischen Lager der Hohenzollern (liberal/probritisch und konservativ/prorussisch) versuchen, Einfluß auf Wilhelm zu erlangen. Es folgt die frühe Thronbesteigung im Alter von 29 Jahren. Wilhelm versucht in dieser Anfangszeit seiner Herrschaft mehr Einfluss auf die deutsche Politik zu gewinnen. Dabei stehen ihm sowohl die dezentrale Reichsverfassung, als auch mächtige Gegenspieler im Weg (Berater, Regierungsbeamte, Reichstag, Parteien usw.). Clark erzählt wie der Kaiser erst infolge der Kollerkrise 1895 mehr Einfluss auf die Politik gewinnt und diesen Einfluss durch die Daily Telegraph-Affäre 1908 wieder verliert. Dabei geht Clark insbesondere auf andere Historiker ein (Röhl, Gutsche usw.), die seiner Meinung nach hervorragende Quellen aufbieten, jedoch vergessen "...seine Äußerungen und Handlungen in den zugehörigen Kontext..." einzubetten. Clark geht auch auf den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dessen Vorgeschichte ein. Dabei stellt er fest, dass Wilhelm keinesfalls eine Allein- oder Hauptschuld am Ausbruch des Krieges trifft. Hauptverantwortlich seien die Russen und die Österreicher, sowie die Militärs auf allen Seiten, die schnelle Aktionen von den Regierenden forderten. Zweimal hatte Wilhelm sich sogar gegen seine eigenen Militärs gestellt und den Stopp aller Mobilmachungsvorbereitungen befohlen. Mit den Militärs hatte Wilhelm laut Clark ein unterkühltes Verhältnis, weil "...die hohen Militärs der Unentschlossenheit und Zögerlichkeit des Friedenskaisers nicht trauten." Noch am 28. Juli 1914 stellte Wilhelm fröhlich fest, dass "nun jeder Grund zum Kriege entfällt". Hier wird deutlich was Clark dem letzten Deutschen Kaiser u.a. vorwirft, nämlich ein schlechtes Urteilsvermögen. Der Bündnisautomatismus war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr zu stoppen. In den folgenden Kapiteln geht Clark auf die Rolle des Kaisers während des Krieges, bei der Abdankung 1918 und auch auf die Zeit im Exil bis zum Tod ein. Zusammenfassend vertritt Clark die These, dass Wilhelm charakterlich (schlechtes Urteilsvermögen, taktlose Ausbrüche usw.) für sein hohes Amt nicht geeignet war, es jedoch falsch wäre, ihn als autokratischen Herrscher und Kriegstreiber darzustellen. Clark möchte "... Verunglimpfung und Verständnis wieder in ein angemessenes Verhältnis zueinander bringen." Das gelingt Clark meiner Meinung nach sehr gut. Die Herrschaftsstrukturen im Kaiserreich werden deutlich und insbesondere durch die Darstellung im Kontext von Zeit und Ereignissen kann man viele Ereignisse der damaligen Zeit (Krügerdepesche, Hunnenrede, Marokkokrise usw.) viel besser nachvollziehen, als es mir persönlich bei anderer Literatur bisher möglich war. Dazu kommt der angenehme Schreibstil von Christopher Clark, den man schon aus seinem "Preußen"-Buch kennt. Deshalb 5 Sterne! Kleiner Tipp: Wem das Buch gefällt, empfehle ich die DVD "Majestät brauchen Sonne". Ohne Übertreibung eine herausragende Dokumentation! |
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